Rekonstruktion der Nervenfaser - Jetzt alle Informationen erfahren

Das Gefühl, der gelähmte Arm gehört nicht mehr zum Körper, ein andauerndes Stürzen über den gelähmten Fuß oder nicht mehr spürbare Verbrennungen  – Schwere Nervenverletzungen können das Leben der Betroffenen drastisch verändern, sowohl im beruflichen und sozialen, als auch im alltäglichen Umfeld. Eine frühzeitige Behandlung kann dabei helfen, eine bestmögliche Wiederherstellung der ausgefallenen Funktion zu erzielen. Wie genau eine Nervenrekonstruktion abläuft und welche Techniken Mediziner hierbei verwenden, erfährst Du in diesem Beitrag.

Dauer

1-4 Stunden

Ausfallzeit

2-3 Wochen

Stationär

1-14 Tage

Welche Gründe gibt es für eine Nervenrekonstruktion?

Nervenverletzungen können durch stumpfe Gewalteinwirkung, Unfälle jeglicher Art, Durchtrennung von Gewebe bei einer Operation, Entzündungen im Körper sowie Tumore entstehen.
Eine Nervenschädigung kannst Du Dir dabei wie ein defektes Stromkabel vorstellen.
Kommt es zur Quetschung oder Abknickung des Kabels, fließt zeitweise kein Strom mehr. Auch bei teilweiser Durchtrennung sowie Schädigung der äußeren Hülle des Kabels ist die Stromversorgung gestört. Ist das Stromkabel dagegen komplett durchtrennt, muss es durch einen Ersatz getauscht oder aufwendig repariert werden. Das gleiche Prinzip gilt für die Nerven in Deinem Körper. Sind sie verletzt, kann keine normale Reizweiterleitung mehr erfolgen. Symptome wie Bewegungsunfähigkeit und Sensibilitätsstörungen sind oftmals die Folge. In vielen Fällen können sich die Nerven wieder erholen, da sie über eine hohe Regenerationsfähigkeit verfügen. Kommt es allerdings zu keiner Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit, stellt die Nervenrekonstruktion eine geeignete Behandlungsmethode dar.

 

Was versteht die Medizin unter einer möglichen Behandlung?

Bei einer Durchtrennung von Nerven ist bei einer frühzeitigen Behandlung meist eine End-zu-End-Naht möglich. Mediziner verbinden dabei direkt die durchtrennten Nervenstümpfe miteinander. Ist dies jedoch medizinisch nicht durchführbar, beispielsweise bei zu weit entfernten Nervenenden, kommt ein Nerventransplantat zum Einsatz. Hierbei eignen sich ein körpereigener Nerv, künstlich hergestellter Nerv oder Nerv eines Spenders. Das Transplantat stellt dabei eine Art Leitung dar, entlang derer sich die Nervenfasern regenerieren und neu bilden können.
Bis wann spätestens eine Nervenrekonstruktion erfolgen sollte, um eine erfolgreiche Behandlung zu gewährleisten, ist abhängig davon, welche Art von Nerv von einer Schädigung betroffen ist. Mediziner unterscheiden sensible und motorische Nerven. Sensible Nerven leiten Informationen, die Du beispielsweise mit Deinen Augen, Ohren oder Deiner Haut registrierst, in das Zentralnervensystem. Eine Rekonstruktion sensibler Nerven ist bis zu drei Jahre nach der Verletzung möglich.
Bei motorischen Nerven, die Deine Muskeln erregen und somit beispielsweise eine Kontraktion und damit Bewegung möglich machen, beträgt die mögliche Zeitspanne für die Wiederherstellung höchstens ein Jahr.

Für wen ist die Operation geeignet?

Nach Nervenverletzungen leiden Betroffene oft unter Lähmungen und Gefühlsstörungen im vom Nerv versorgten Gebiet. Eine entsprechende Therapie ist hierbei dringend erforderlich, da nicht behandelte Nervenschädigungen neben Muskelschwund zu irreversiblen Störungen im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs führen können.
Handelt es sich bei der Nervenschädigung um eine leichtgradige Verletzung, kann diese unter rein konservativer Therapie ausheilen. Sind die Nerven allerdings komplett durchtrennt, ist eine operative Nervenrekonstruktion erforderlich.

Was passiert vor dem Eingriff?

Vor dem eigentlichen Eingriff erfolgt eine gründliche Untersuchung zur Identifizierung der Lokalisation und des Ausmaßes der Schädigung. Da jeder Nerv in Deinem Körper bestimmte Muskelgruppen steuert und sensible Hautareale versorgt, kann anhand des Ausfallbildes eine Zuordnung und Benennung des beeinträchtigten Nerven erfolgen. Ein herabhängender Mundwinkel, inkompletter Lidschluss und abgeschwächtes Stirnrunzeln können beispielsweise Symptome einer Lähmung des Gesichtsnerven sein.
Mediziner müssen dabei beurteilen, ob es sich bei der Nervenschädigung um eine komplette Zerreißung oder eine schwere Zerrung des Nervs mit Funktionsunterbrechung handelt. Im zweiten Fall ist eine Operation nicht zwingend erforderlich. Prinzipiell ist es möglich, dass zwar die im Inneren des Nervs liegenden Nervenfasern gerissen sind, nicht aber deren bindegewebige Hüllstruktur. Die zerrissenen Nervenfasern können dadurch wieder auswachsen, wodurch eine konservative Therapie ausreicht. Daraus folgt, dass Mediziner entscheiden müssen, ob und wann genau eine Operation erforderlich ist. Warten Ärzte zu lange mit einem Eingriff, wenn dieser erforderlich sein sollte, schwindet die Muskelmasse nach dem funktionellen Nervenausfall und der Körper wandelt diese nach etwa einem halben Jahr zunehmend in Bindegewebe um, was nicht mehr rückbildungsfähig ist.

Mittels einer elektrophysiologischen Überprüfung kann der Neurologe jeden Muskel mit einer feinen Nadel untersuchen und feststellen, ob ihn elektrische Reize vom Gehirn erreichen. Ist dies nicht der Fall, hat der Muskel nach der Nervenschädigung eine elektrische Eigenaktivität entwickelt, was eine vollständige Nervenverletzung beweist. Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit besteht darin, den Nerv an einer bestimmten Stelle durch die Haut mit einem starken Stromreiz zu erregen. Bei intakter Nervenfaser leitet diese den Nervenreiz weiter und der Reiz ist an einer anderen Stelle des Nervs messbar. Bei zerrissenen Nervenfasern ist allerdings keine Reizweiterleitung und somit auch keine Reizmessung möglich.

Was muss ich vor dem Eingriff beachten?

Voraussetzung für eine Rekonstruktion der Nervenfaser ist, dass mit der Nervenschädigung zeitgleich entstandene Knochenverletzungen erst so abheilen müssen, dass sie keiner späteren Operation bedürfen. Würde nachträglich eine chirurgische Behandlung der Operationsregion erfolgen, würden die eingesetzten Transplantate möglicherweise zerstört. Um dies zu verhindern, bedarf es zuvor einer regelmäßigen röntgenologischen Kontrolle der rekonstruierten Knochenstrukturen, wobei diese als abheilungssicher qualifiziert sein müssen.
Zur Behandlung von Knochenschädigungen eingebrachte Metallteile im unmittelbaren Gebiet des Nervens, wie Nägel, Schrauben oder Metallplatten müssen lebenslang im Körper verbleiben, insofern sie nicht der Operateur während der Nervenrekonstruktion entfernt.

Welche Methoden/Techniken gibt es?

Grundsätzlich empfehlen Experten eine frühzeitige Versorgung, das heißt innerhalb von wenigen Tagen, mit Hilfe einer mikrochirurgischen Technik. Meist erfolgt hierbei eine spannungsfreie End-zu-End-Naht. Bei glatter Durchtrennung der Nervenenden, bei der kein Nervengewebe verloren gegangen ist, können Mediziner den Nerv unmittelbar nähen, was Fachleute als primäre Nervennaht bezeichnen.

Liegen allerdings begleitende Knochen- und Sehnendefekte vor, ist eine primäre Naht nicht immer möglich. Um den Nerv dennoch zu einem späteren Zeitpunkt behandeln und auffinden zu können, markieren Ärzte diesen. Die weitere Versorgung kann dann nach ein bis drei Monaten stattfinden (sekundäre Nervennaht). Jedoch erfolgt oftmals auch eine frühzeitigere Nerventransplantation. So ist bei einem Abstand der Nervenendigungen von mehr als zwei Zentimetern eine End-zu-End-Naht nicht mehr möglich, da die Gefahr hierbei zu groß ist, dass die Nervenenden im Inneren auseinanderklaffen. Zwischen den Nervenenden können sich dann wieder Vernarbungen bilden, sodass die Nervenfasern es nicht schaffen zusammenzuwachsen.

Als Späteingriff ist daher eine Nerventransplantation eines körpereigenen Nerven die gängigste Methode. Durch diese Defektüberbrückung können Mediziner gewährleisten, dass die durchtrennte Nervenendigung eine Leitstruktur hat, durch die sie in den verbliebenen Nervenstumpf wachsen kann. Auch eine Verwendung künstlich hergestellter Nervenersatzmaterialien ist hierbei möglich.
Bei veralteten Durchtrennungen kann ebenfalls eine Neurolyse erfolgen. Neurolyse bedeutet wörtlich „Nerv lösen“ und stellt eine Operation dar, bei der Ärzte narbige Verwachsungen des Nervs entfernen und somit den dadurch zuvor ausgeübten Druck beseitigen.
Auch eine Entfernung von falsch ausgesprossten Nervenfasern ist möglich. Experten bezeichnen dies als Neuromresketion.

 

Wie verläuft eine Nervenrekonstruktion?

Eine sehr bewährte Methode zur Rekonstruktion der Nervenfaser ist die „Mikrochirurgische Autologe Nerventransplantation, die unter Vollnarkose stattfindet. Autolog bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Operateur den zu transplantierenden Nerv aus Deinem eigenen Körper entnimmt, wodurch keine Abstoßungsprobleme entstehen.
Da es sich dabei um einen feinsinnigen Eingriff handelt, findet die Behandlung mithilfe eines Operationsmikroskops statt, wodurch der Mediziner auch sehr kleine Strukturen gut erkennen kann.
Zu Beginn der Operation fertigt der Arzt mehrere kleine Hautschnitte an der Rückseite Deines Unterschenkels an. Aus diesem Bereich entnimmt er Dir einen Nerv, den sogenannten Nervus suralis. Dieser in etwa 30 bis 40 Zentimeter lange Nerv mit dem Durchmesser einer Bleistiftmine hat ausschließlich sensible Funktionen an der Fersenaußenseite. Durch die Entnahme kommt es zu einem Empfindungsverlust in diesem Bereich. Dies wird allerdings in Kauf genommen, da diese Methode in der Regel die besten Ergebnisse erzielen kann. Nachdem der Mediziner Vernarbungen an den Nervenendigungen entfernt hat, schneidet er den Nervus suralis in mehrere Stücke und fügt diese spannungsfrei zwischen die zwei Enden eines Hauptnervs an Arm oder Bein. Als Nähte dienen dabei Fäden im Ausmaß eines Menschenhaares.
Insgesamt dauert die Operation im Durchschnitt etwa zwei Stunden.
Die Nervenfasern aus dem so rekonstruierten Hauptnerven wachsen nach der Operation durch die Nervenstücke des Nervus suralis hindurch und wieder in den verbliebenden Nervenstumpf hinein.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Mögliche Risiken sind bei jedem operativen Eingriff Nachblutungen und eine erhöhte Infektionsgefahr. Während des Eingriffs sind Weichteilverletzungen sowie Gefäßverletzungen möglich. Das Risiko für eine Gefäßverletzung steigt, wenn bereits bei einer unfallchirurgischen Erstversorgung eine Gefäßrekonstruktion erfolgte.
Insbesondere bei komplexen Eingriffen kann es zu einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis kommen, da eventuell eine Nervenregeneration ausbleibt.
Bei Verwendung künstlich hergestellter Nervenersatzmaterialien besteht ebenso die Gefahr einer Abstoßungsreaktion des Körpers.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Unmittelbar nach der Operation ist eine Ruhigstellung mit einem Halbgips (Gipslonguette) für mehrere Tage bis zu wenigen Wochen erforderlich.
Im Anschluss daran kannst Du mit Krankengymnastik die Beweglichkeit der Gelenke verbessern und funktionierende Muskeln im umliegenden Gebiet der ausgefallenen Muskelgruppe so trainieren, dass diese die ausgefallenen Aufgaben übernehmen.
Durch regelmäßige medizinische Kontrollen beim Neurologen kann dieser beurteilen, ob nach Auswachsen der Nervenfasern in der ausgefallenen Muskelgruppe elektrische Impulse wieder messbar sind.

Das Tragen von durch Ergotherapeuten angefertigten Schienungen kann helfen, eine durch den Nervenausfall mögliche hervorgerufene Fehlstellung an Händen oder Füßen zu korrigieren. Das Ziel besteht darin, eine Überdehnung von Sehnen sowie Versteifungen von Gelenken zu verhindern.

Wie lange dauert die Heilung?

Die Nervenrekonstruktion erzielt in etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle eine verbesserte, wahrnehmbare Nervenerholung. Die Nervenfasern wachsen allerdings im Durchschnitt lediglich einen Millimeter pro Tag. Aufgrund des sehr langsamen Nervenfaserwachstums kann die Heilung sehr viele Monate dauern. Auch musst Du mit eventuellen Einschränkungen nach Nervenverletzungen rechnen, da in der Regel eine Nervenrekonstruktion nicht komplett den ehemals gesunden Zustand wiederherstellen kann. Die erzielten Ergebnisse sind dabei umso besser, je einfacher die Verletzung war. Auch eine frühzeitige Versorgung wirkt sich positiv auf das Behandlungsresultat aus.

 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Da es sich bei der Nervenrekonstruktion meist um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten.

Alle wichtigen Informationen zusammengefasst:

  • Typische Symptome einer Nervenverletzung sind Lähmungen, Gefühlsstörungen und im späteren Stadium Muskelschwund
  • Die „Mikrochirurgische Autologe Nerventransplantation“ stellt eine bewährte Methode zur Nervenrekonstruktion dar, bei der Mediziner den körpereigenen Nervus suralis aus dem Unterschenkel entnehmen und diesen als Leitstruktur für die durchtrennten Nerven nutzen
  • Mögliche Behandlungskomplikationen sind eine erhöhte Infektionsgefahr, Gefäßverletzungen, Nachblutungen, Weichteilverletzungen sowie die Gefahr einer Abstoßungsreaktion bei Verwendung künstlich hergestellter Nervenersatzmaterialien
  • Die Heilung nach einer Nervenrekonstruktion kann mehrere Monate betragen. Eine völlige Wiederherstellung des vorherigen gesunden Zustandes lässt sich dabei nicht erzielen
  • Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Operation

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