Leistenbruch? Jetzt muss es schnell gehen! - MOOCI

Leistenbruch - Jetzt alle Informationen erfahren

Brüche in der Bauchwand, sogenannte Hernien, kommen aufgrund anatomischer Schwachstellen relativ häufig vor. Anders als der Name vermuten lässt, zersplittert dabei allerdings kein Knochen, sondern es kommt zu Öffnungen beziehungsweise Lücken in der Bauchwand. Der Leistenbruch ist mit einem Anteil von 75 Prozent die am meisten vorkommende Hernie und dessen operative Behandlung in Industrieländern die häufigste allgemeinchirurgische Operation überhaupt.

Dauer

30-60 Minuten

Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationär

Eine Nacht
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Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über einen Leistenbruch. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Leistenbruch?

Ein Leistenbruch bezeichnet eine Ausstülpung des Bauchfells (Peritoneum) mit gegebenenfalls Baucheingeweiden durch eine Bruchstelle (Bruchpforte) im Bereich der Leiste. Der medizinische Fachausdruck lautet Hernia inguinalis, wobei ebenfalls der Begriff Leistenhernie geläufig ist. Anhand der Lage der Bruchstelle können Mediziner einen direkten von einem indirekten Leistenbruch unterscheiden. Beim direkten Leistenbruch befindet sich die Bruchstelle im sogenannten „Hesselbach-Dreieck“, das aufgrund fehlender Muskulatur in diesem Dreieck eine Schwachstelle in der Bauchwand darstellt.

Direkte Leistenbrüche machen etwa ein Viertel der Leistenhernien aus und sind immer erworben. 
Beim indirekten Leistenbruch liegt die Bruchpforte weiter außerhalb des „Hesselbach-Dreiecks“, die angeboren sein kann oder infolge äußerer Einwirkung entstanden ist. Indirekte Leistenbrüche verlaufen stets durch den Leistenkanal und reichen mitunter bei Männern bis in den Hodensack beziehungsweise bei Frauen bis in die großen Schamlippen.

 

Leistenbrüche entstehen durch zu viel Druck

Wie sehen die Symptome eines Leistenbruchs aus?

Ein Leistenbruch ist meistens an seinem Aussehen erkennbar. Er verursacht eine sichtbare Wölbung im Leistenbereich, die beim Aufstehen oder Husten an Größe zunehmen kann. Mitunter kann die Wölbung beim Berühren schmerzempfindlich sein. Insbesondere beim Husten, Sport oder Heben von schwereren Gegenständen können Schmerzen auftreten, die Betroffene dann häufig als stechend beschreiben. Fallweise berichten Patienten jedoch auch von keinerlei Schmerzsymptomatik oder minimalen Beschwerden wie brennenden Empfindungen im Schambereich oder einem unangenehmen Völlegefühl in der Leistengegend. Sind Schmerzen vorhanden, können diese auch in andere Körperpartien wie den unteren Rücken, den vorderen Oberschenkel oder bei Männern den Hodensack ausstrahlen. Frauen leiden manchmal unter Schmerzen im Beckenbereich.

Wie wird der Leistenbruch diagnostiziert?

Die meisten Leistenbrüche lassen sich durch eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung feststellen. Dabei bittet Dich Dein behandelnder Arzt zu pressen oder zu husten, wodurch bei freiem Oberkörper der Bruchsack an seiner Austrittsstelle sichtbar erscheint. Mitunter sind beim Abhorchen des Bruches mit dem Stethoskop Darmgeräusche hörbar. Weiterhin ist die Feststellung einer Leistenhernie mittels einer Ultraschalluntersuchung möglich. Andere Untersuchungsmethoden wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) kommen dagegen nur in seltenen Fällen zur Anwendung. 
Beim Neugeborenen ist eine Leistenhernie ebenfalls an einer Vorwölbung der Leiste erkennbar, besonders beim Schreien oder Pressen.

Welche Folgen hat ein Leistenbruch für die Betroffenen?

In den meisten Fällen ist ein Leistenbruch zwar ungefährlich, dennoch besteht bei ausbleibender Behandlung das Risiko, dass es zur Einklemmung (Inkarzeration) von Darmabschnitten kommt, wodurch der Körper nicht mehr deren Durchblutung aufrechterhalten kann. Betroffene leiden dann meist unter sehr starken Schmerzen. Ein in der Folge drohendes Absterben der Darmabschnitte stellt eine Notfallsituation dar, die einer Operation innerhalb weniger Stunden bedarf. Ebenfalls besteht bei unbehandelter Leistenhernie die Gefahr, dass die Darmwand aufbricht und dessen Inhalt (Kot) austritt, wodurch eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) entstehen kann.

Welche Ursachen gibt es für eine Leistenhernie?

Bei einem angeborenen Leistenbruch besteht beim Neugeborenen bereits bei der Geburt eine Bruchstelle, die durch einen unvollständig inneren Verschluss der Bauchwand während der Entwicklung des Fötus im Mutterleib entstanden ist. Erworbene Leistenhernien entstehen hingegen erst im Laufe des Lebens, wobei als Ursache verschiedene Faktoren infrage kommen, die zu einer Schwächung der Bauchwand führen. Vor allem ein erhöhter Druck im Bauchraum trägt entscheidend dazu bei. Dieser kann bedingt sein durch Übergewicht, Heben schwerer Lasten, Schwangerschaft, Verstopfung, Husten, Erbrechen sowie in seltenen Fällen Tumoren im Enddarm. Weiterhin können Vernarbungen, die sich infolge von Bauchoperationen gebildet haben, zu einer eingeschränkten Funktion und Beweglichkeit der Bauchwandmuskulatur führen, wodurch sie Drucksteigerungen nicht mehr standhalten kann. 
Da Leistenbrüche in manchen Familien gehäuft auftreten, nehmen medizinische Spezialisten auch eine genetische Komponente als Ursache an.

Während einer Schwangerschaft wird viel Druck auf die Bauchdecke ausgeübt

Wer ist am häufigsten von einem Leistenbruch betroffen?

Besonders häufig sind Männer von einem Leistenbruch betroffen. Im Laufe des Lebens erkrankt durchschnittlich jeder Vierte von ihnen daran. Frauen hingegen leiden deutlich seltener unter einer Leistenhernie. Prinzipiell kann ein Leistenbruch in jedem Alter auftreten. Öfter vorzufinden, ist er allerdings bei Männern im Alter von 50 bis 69 Jahren und bei Frauen von 60 bis 79 Jahren. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die unter verschiedenen Erkrankungen leiden, die zum Beispiel mit einer Bindegewebsschwäche oder einem erhöhten Druck im Bauchraum einhergehen. Folgende Krankheiten zählen dabei unter anderem zu Risikofaktoren für einen Leistenbruch: Marfan-Syndrom, Diabetes mellitus, Asthma, COPD, zystische Fibrose, Krampfadern, Divertikulose sowie Fehlbildungen der Genitalien und des Harntrakts.

Muss ein Leistenbruch immer operiert werden?

Da sich ein Leistenbruch nicht spontan zurückbilden kann, erfolgt in der Regel eine Operation. Wenn Schmerzen bestehen, solltest Du mit Deinem behandelnden Arzt einen frühzeitigen Operationstermin festlegen. Bei fehlenden Beschwerden ist ein medizinischer Eingriff nicht dringlich, sollte aber dennoch zeitnah stattfinden, auch um einer Einklemmung von Darmabschnitten vorzubeugen. Ebenfalls birgt ein über längere Zeit bestehender Leistenbruch das Risiko, dass dieser sich zunehmend vergrößert und bei einer später folgenden Operation den Eingriff verkompliziert.

Bei einem zunächst nicht operierten Leistenbruch sind daher regelmäßige ärztliche Kontrollen vorgesehen, um eine eventuelle Größenzunahme des Bruchs feststellen zu können. Sogenannte Bruchbänder, die früher zur Anwendung kamen und sich äußerlich um die Leistenregion spannen lassen, sind laut medizinischen Experten nicht mehr empfehlenswert.

Was muss ich vor der Operation beachten?

Vor dem medizinischen Eingriff findet ein Aufklärungsgespräch mit Deinem Operateur statt, in dem dieser Dir die verschiedenen Operationstechniken erörtert und nach Abwägen aller Risiken das für Dich optimale Verfahren bestimmt. Mindestens 24 Stunden vor dem geplanten Operationstermin erfolgen verschiedene Voruntersuchungen wie zum Beispiel Bluttests und ein EKG. 
Weiterhin solltest Du beachten, dass Du im Vorfeld des Eingriffs möglicherweise bestimmte Medikamente nicht mehr zu Dir nehmen darfst. Wenn Du auf die Einnahme bestimmter Arzneimittel angewiesen bist, solltest Du mit Deinem Hausarzt vorher absprechen, ob Du diese eventuell absetzen musst. In jedem Fall darfst Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Aspirin sieben bis zehn Tage vor der Operation nicht mehr einnehmen. Ungefähr sechs bis acht Stunden vorher darfst Du nichts essen, trinken oder Kaugummi kauen.

Oftmals erfolgt nach dem Eingriff ein stationärer Aufenthalt, der in der Regel einen Tag dauert. Mitunter ist jedoch auch eine ambulante Operation möglich, wobei anschließend eine Abholung und 24-Stunden-Betreuung gewährleistet sein müssen.

 

Ein Leistenbruch ist nicht nur schmerzhaft sondern auch gefährlich

Wie verläuft die Leistenhernien-Operation?

Zu Beginn der Behandlung bereitet Dich das Operationsteam auf den Eingriff vor. Dies kann eine Rasur, Operationskleidung und gegebenenfalls die Gabe eines beruhigenden Arzneimittels beinhalten. Anschließend kommst Du in den Operationssaal und der Eingriff beginnt nach Durchführung einer Vollnarkose oder Lokalanästhesie mit einem Hautschnitt. Der prinzipielle Verlauf beinhaltet zunächst ein Freilegen des Bruchsacks und der Bruchlücke, ein darauffolgendes Zurücklegen des Bruchsackinhaltes in die Bauchhöhle und zuletzt ein Verschließen der Bruchlücke. Insgesamt dauert der medizinische Eingriff circa 30 bis 60 Minuten.

Welche Operationsmethoden gibt es?

Operation nach Shouldice


Bei dem Shouldice-Verfahren legt der Operateur den Bruch mit einem Hautschnitt in der Leiste frei, um danach den Bruchsack zu eröffnen und Eingeweide, die sich in der Ausstülpung befinden, in den Bauchraum zurück zudrücken. Im nächsten Schritt vernäht er die Bruchpforte. Darauf folgend zieht der Chirurg das Bindegewebe der Muskulatur über die Bruchstelle und fixiert es, was der Stabilisierung der Bauchwand hinter dem Leistenkanal dient. Zum Schluss verschließt er den Hautschnitt mit einer Naht.

Operation nach Lichtenstein
Der chirurgische Ablauf der Lichtenstein-Methode gleicht im Wesentlichen dem des Shouldice-Verfahrens. Der Unterschied besteht darin, dass bei der Lichtenstein-Methode ein Kunststoffnetz zur Anwendung kommt, dass die Bruchpforte zusätzlich stabilisiert und damit einem erneuten Bruch vorbeugt. Dabei platziert der behandelnde Arzt das Netz über die Bruchpforte und vernäht es mit dem umliegenden Gewebe.

Minimal-invasive Technik (TEP- oder TAPP-Operation)
Beim minimal-invasiven Verfahren führt der Chirurg über winzige Hautschnitte die erforderlichen Instrumente und ein schlauchartiges Gerät mit Minikamera in den Bauchraum ein. Kommt die TEP-Technik (Total Extraperitoneale Hernioplastik) zum Einsatz, nutzt der Mediziner einen natürlichen Gewebespalt zwischen Bauchfell und Haut, um die Instrumente und die Kamera einzuführen. Hierbei verstärkt ebenfalls ein eingebrachtes Kunststoffnetz die Bruchpforte, wobei der Operateur dieses so zwischen Bauchfell und Muskulatur positioniert, dass keine extra Befestigung notwendig ist. Bei der TAPP-Technik (Transabdominelle Präperitoneale Hernioplastik) hingegen fixiert der Arzt das Kunststoffnetz mit Klammern oder Nähten, die sich später im Körper von selbst auflösen.

 

Krafttraining kann zu einer Leistenhernie führen

Was muss ich nach dem Eingriff beachten?

Nach dem Eingriff solltest Du das Heben und Tragen von schweren Lasten meiden. Des Weiteren solltest Du zunächst auf Baden, Schwimmen und Saunieren verzichten, um die Wundheilung nicht zu gefährden. Wann Du wieder versuchen kannst, kontrolliert Sport zu betreiben, hängt immer vom jeweils angewandten Operationsverfahren und dem individuellen Heilungsverlauf ab und sollte in Absprache mit Deinem Operateur erfolgen. 
Bei Anwendung des Shouldice-Verfahrens solltest Du Dich danach bis zu zwei Monate schonen, wohingegen Du bei Durchführung eines minimal-invasiven Verfahrens bereits nach sieben bis zehn Tagen wieder belastbar bist.

Welche Risiken und Komplikationen gibt es?

Im Allgemeinen handelt es sich bei Leistenbruch-Operationen um risikoarme Eingriffe. Da im umliegenden Gebiet der Leiste jedoch der Darm, der Samenstrang, die Blase und Gefäße und Nerven liegen, besteht die potenzielle Gefahr einer Verletzung dieser Strukturen. Durch im Rahmen der Operation eingenähte oder beschädigte Nerven kann es zu chronischen Leistenschmerzen kommen. Ursächlich für derlei Beschwerden kann ebenso ein eingebrachtes Netz sein, gegen das der Körper eine Entzündungsreaktion hervorrufen kann, wodurch es mitunter zur Schädigung von Nerven in der umliegenden Region kommen kann.

Außerdem stellt eine Hodenatrophie – eine deutliche Verkleinerung von einem oder beider Hoden – eine Spätkomplikation dar, die durch eine Verletzung der Gefäße des Hodens entsteht. In manchen Fällen kommt es zu einer sogenannten Rezidivhernie. Das bedeutet, dass der Leistenbruch im Laufe der Zeit erneut auftritt. Weiterhin bestehen allgemeine Risiken eines medizinischen Eingriffs wie Blutungen, Wundentzündungen und Heilungsstörungen.

Kann ich einen Leistenbruch vorbeugen?

Es gibt verschiedene Faktoren, welche Du beachten kannst, damit es erst gar nicht zu einem leistenbruch kommt. Leidest Du beispielsweise an Übergewicht, dann solltest Du versuchen abzunehmen, da das Gewicht auf die Bauchdecke drückt. Iss zudem am besten ballaststoffreich und trinke viel Wasser oder ungesüßten Tee. So kannst Du hartem Stuhlgang vorbeugen. Beim Pressen entsteht ansonsten ebenfalls zu viel Druck auf die Bauchwand. Auch beim Heben von schweren Lasten solltest Du darauf achten, dass Du dabei den gesamten Körper einsetzt und Deinem Bauch keine starke Belastung aussetzt. Es kann helfen, wenn Du Deine Bauchmuskeln gezielt trainierst und diese stärkst. Allerdings ist es besser, wenn Du das mit einer Person machst, welche Dir ganz genau zeigt, wie Du die Übungen ausführen musst, ansonsten droht auch hier wieder das Risiko eines Leistenbruchs.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die anfallenden Behandlungskosten vollständig.

Beweglich ohne Leistenbruch

Alle wichtigen Informationen zusammengefasst

  • Bei einem Leistenbruch handelt es sich um eine Ausstülpung des Bauchfells (Peritoneum) mit gegebenenfalls Baucheingeweiden durch eine Bruchstelle (Bruchpforte) im Leistenbereich
  • Er ist durch eine sichtbare Wölbung im Leistenbereich erkennbar. Betroffene klagen oft über ziehende Schmerzen. Mitunter liegen aber auch nur minimale Beschwerden wie brennende Empfindungen im Schambereich oder ein unangenehmes Völlegefühl vor
  • Eine angeborene Leistenhernie entsteht durch einen unvollständig inneren Verschluss der Bauchwand während der Entwicklung des Fötus. Zu einem erworbenen Leistenbruch kommt es häufig durch einen erhöhten Druck im Bauchraum, dem die Bauchwand nicht mehr standhalten kann
  • In seltenen Fällen kommt es infolge der Leistenhernie zu einer Einklemmung von Darmabschnitten, die daraufhin absterben können
  • Im Allgemeinen sollte eine operative Behandlung erfolgen. Bruchbänder sind nicht zu empfehlen
  • Als Operationsmethoden können das Shouldice-Verfahren (ohne Netz), das Lichtenstein-Verfahren (mit Netz) sowie die minimal-invasive TEP- oder TAPP-Technik (jeweils mit Netz) zum Einsatz kommen
  • Die Krankenkassen kommen in der Regel für die Operationskosten auf

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Quellen

vitabook

minimed

medicum

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