10 Fragen zur Brustrekonstruktion an Dr. Roland Mett!
10 Fragen zur Brustrekonstruktion an Dr. Roland Mett!

Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Mit der Diagnose beginnt eine schwierige Zeit für die Patientin, in der sie viel Kraft und Ausdauer braucht. Oftmals ist es möglich, durch das frühzeitige Erkennen der Erkrankung, brusterhaltende Maßnahmen zu ergreifen, doch manchmal bleibt als letzter Ausweg nur eine Abnahme der Brust. Einige Frauen entscheiden sich bewusst für die Amputation der Brust, vor allem dann, wenn das Risiko an Brustkrebs zu erkranken aufgrund der Familiengeschichte besonders hoch ist. Dank der modernen Medizin ist es möglich, die Brust wieder zu rekonstruieren. Wie genau das funktioniert, beantwortet uns heute Dr. med. Roland Mett, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie.

1. Welche Gründe gibt es für eine Brustrekonstruktion?

Unter Brustrekonstruktion versteht man die Wiederherstellung einer normalen Brustform durch plastische Chirurgie. Im konkreten Fall handelt es sich häufig um Folgezustände nach der Entfernung eines Tumors, bei denen große Teile der Brustdrüse oder die gesamte Brustdrüse mit oder ohne der darüber liegenden Haut bzw. den Brustwarzen-Warzenhofkomplex entfernt werden mussten. In diesem Fall können Implantate oder Eigengewebe zur Wiederherstellung der Brustform verwendet werden. Eine wesentlich weniger dramatische Situation liegt vor, wenn zum Beispiel infolge einer Schwangerschaft oder einer erheblichen Gewichtsabnahme die Form und Fülle der Brust derart zurückgegangen sind, dass der gesamte Brusthügel als solches nicht mehr vorhanden ist.

In diesen Situationen helfen Einlagen von Implantaten mit oder ohne zusätzliche straffende Operationen. Hier bietet sich bei Bedarf auch ein zusätzlicher Volumenaufbau durch die Gabe von Eigenfett an. Auch ist alternativ ein Volumenaufbau mit Eigengewebe aus der Umgebung zur Wiederherstellung des Brusthügels bei gutartigen Erkrankungen möglich. Eigengewebsrekonstruktionen durch sogenannte Lappenplastiken sind aber, weil sehr aufwendig und mit zusätzlichen Narben verbunden, bei nicht bösartigen Erkrankungen, nicht das Mittel der ersten Wahl.

2. Wie verläuft die Amputation der Brust und kann eine Brustrekonstruktion sofort erfolgen?

Die Amputation einer Brust kann in 3 verschiedenen Formen in Abhängigkeit von der Tumorbiologie erfolgen:

Im günstigsten Fall, wenn der Brustkrebs eine nicht so aggressive Wachstumsform hat, kann die Drüse unter der Haut mit Erhaltung von Brustwarze und Warzenhof komplett     entfernt werden und ein Wiederaufbau ist sofort durch Eigengewebe oder ein Implantat möglich (sog. „Nipple-sparende Mastektomie“). Dies ist der Fall bei Brustkrebserkrankungen, deren Prognose (Verlauf) als günstig     bezeichnet wird und bei denen die Tumoren eine gewisse Entfernung zur Brustwarze und zum Warzenhof haben, sodass onkologische Sicherheit besteht.

Die zweite Möglichkeit der Brustamputation nennt man „hautsparende Mastektomie“. Das bedeutet, der Brustwarzen- und Warzenhof müssen entfernt werden, um onkologische Sicherheit herzustellen. Der übrige Hautmantel kann vollständig erhalten werden. In dieser Situation ist die Einlage eines Implantates oder die Verwendung von Eigengewebe zur Rekonstruktion zu empfehlen. Je nachdem welche weiteren Maßnahmen im onkologischen Behandlungskonzept vorgesehen sind (z.B. Bestrahlung der operierten Brustseite nach Op) kann dies auch als Sofortrekonstruktion durchgeführt werden.

Die dritte Form der Amputation ist die am meisten bekannte Operationsform mit der Entfernung der gesamten Brust, einschließlich einer großen Hautspindel und des Brustwarzen- und Warzenhofkomplexes („konventionelle Mastektomie“). Dies ist bei fortgeschrittenen Karzinomen erforderlich.

Auch in diesen Fällen kann man unmittelbar nach Amputation den Brusthügel rekonstruieren, muss sich aber genau daran orientieren, was im Nachhinein mit der Patientin geschehen soll, damit sie wieder gesund wird. Das kann zum Beispiel eine Strahlentherapie sein. Dann ist eine Sofortrekonstruktion mit einem Fragezeichen zu versehen. Sofortrekonstruktionen sind aber auch in solchen Situationen prinzipiell möglich, bestenfalls mit eigenem Gewebe, aber nur, wenn nach der Operation keine Strahlentherapie notwendig ist.

Für die richtige Therapieentscheidung gibt es sehr viel zu bedenken. Deshalb muss sie auch immer in einem interdisziplinären Board aus vielen Experten getroffen werden.

3. Muss bei einer Brustrekonstruktion Haut von einer anderen Stelle entnommen werden und bleiben Narben zurück?

Wenn keine brusterhaltende Therapie möglich ist und es die Tumorbiologie erlaubt, sollte die Operationsform mit Brustwarzen- und Warzenhoferhaltung durchgeführt werden. Hier finden sich am wenigsten sichtbare Narben und es braucht keine Haut von einer anderen Stelle des Körpers entnommen werden. Muss eine „hautsparende“ – oder eine „konventionelle“ Drüsenentfernung mit großer Hautinsel vorgenommen werden, so muss, wenn eine Implantateinlage zur Wiederherstellung des Brusthügels nicht mehr möglich ist, eine Eigengewebsrekonstruktion erfolgen. Diese verlangt die Entnahme von Haut- und Fettgewebe an einer anderen Körperstelle. Es entstehen damit Narben im Bereich des sogenannten Hebedefektes (Spenderareal), dort wo das Eigengewebe entnommen wurde und es entstehen Narben im Brustbereich, dort wo die Schnittführung für die Brustdrüsenentfernung erfolgte.

4. Kann zur Rekonstruktion Eigenfett verwendet werden?

Ja, Eigenfett kann frei transplantiert oder in Form von sogenannten Haut-Fettlappenplastiken zur Brustrekonstruktion, meist in mikrochirurgischer Technik, herangezogen werden. Während das in mikrochirurgischer Technik transplantierte Eigengewebe (als Haut- und Fettlappen aus dem Bauchbereich) der Standard für die Brustrekonstruktion mit Eigengewebe ist, sind reine Eigenfetttransplantationen, bei denen Fett an anderen Stellen des Körpers abgesaugt wird und dann frei durch Einspritzen transplantiert wird, noch die Ausnahme. Diese Fetttransplantationen werden nicht bzw. nur in sehr seltenen Ausnahmen von den Krankenkassen als zu erstattende Leistung übernommen.

5. Wie verläuft eine Rekonstruktion der Brust und wie wird entschieden, wie viel von der Brust entfernt werden muss?

Zunächst entscheidet immer ein interdisziplinäres Board mit Spezialisten aus der Frauenheilkunde, der Strahlentherapie, der Pathologie, der Onkologen und der Plastischen Chirurgen, wie groß der Anteil der zu entfernenden Brustdrüse sein muss, um Sicherheit in der Krebstherapie zu gewährleisten. Durch die große Wirksamkeit der Chemo – und Strahlentherapie auf den Brustkrebs, ist es heute möglich, 80% aller an Brustkrebs erkrankten Frauen brusterhaltend zu operieren. Das bedeutet, es werden nur Teile der Brustdrüse entnommen und es ist keine Brustrekonstruktion nötig. Bei der brusterhaltenden Operation werden der Brustkrebs im Gesunden mit Teilen der Brustdrüse entfernt und Defekte in der Drüse verschlossen. Nach der brusterhaltenden Brustkrebstherapie muss immer bestrahlt werden.

Eine Brustrekonstruktion beginnt immer mit einer Fachgebiets-übergreifenden intensiven Aufklärung. Es folgen Eingriffsplanung und Diskussionen, die die operativen Möglichkeiten, die Wünsche der Patientin und die zusätzlich zur Operation notwendigen Maßnahmen, zum Beispiel Chemotherapie oder Strahlentherapie, berücksichtigen. Final kommt es zu einer Entscheidung, die immer in der Auswahl zwischen Implantat und Eigengewebe besteht, sofern ein plastischer Chirurg mit im Team ist.

Wenn dieser Aufklärungs- und Auswahlprozess der für die Patientin am besten geeignete Methode abgeschlossen ist, erhält die Patientin im Zusammenhang mit der Brustkrebsentfernung als „Sofortmaßnahme“ oder nach Abschluss aller notwendigen Behandlungen als sogenannte „sekundäre Maßnahme“, eine Brustrekonstruktion, mit einem Implantat oder durch Eigengewebe.

6. Was muss ich nach einer Brustrekonstruktion beachten?

Je nach Wahl der Rekonstruktionsmethode, ob Implantat oder Eigengewebe, sind Schonfristen einzuhalten und die Wundheilung abzuwarten. Dazu gibt es spezielle Anleitungen durch die operierende Klinik und ein festgelegtes Nachsorgeschema, das ein Wiedererreichen der normalen Beweglichkeit und der normalen Belastbarkeit beinhaltet. Nach einer Rekonstruktion ist die normale Belastung in der Regel zwischen 4 und 6 Wochen nach Operation wieder erreicht.

7. Lassen sich auch Brustwarzen rekonstruieren, wenn ja, wie?

Brustwarzenrekonstruktionen gehören in das Aufgabenfeld der plastischen Chirurgie nach einer Brustrekonstruktion, sofern diese bei der Erstoperation mit entfernt wurden. Die häufigste und erfolgreichste Methode ist, wenn möglich, einen Teil der gesunden Brustwarze auf die wiederhergestellte Brust zu transplantieren. Diese sogenannten „Spaltmamillen“ haben eine sehr gute Anwachsrate und sehen sehr natürlich aus. Die Spenderseite wird etwas kleiner und flacher, behält aber Sensibilität, Still- und Reaktionsfähigkeit.

Ist eine „Spaltmamille“ aufgrund zu kleiner Brustwarze auf der gesunden Seite oder nach beidseitiger Operation nicht möglich, so kann auf der rekonstruierten Brust durch eine sogenannte „lokale Lappenplastik“ eine Brustwarze aus der ortsständigen Haut aufgerichtet werden. Der Warzenhof kann z.B. aus dunkler Haut der Leiste oder durch Tätowierung wiederhergestellt werden. Alternativ bieten die neuesten Techniken der 3D Tätowierung eine sehr gute bildliche Darstellung von Brustwarze und Warzenhof als Alternative zur Operation und dies in einer der Natur täuschend ähnlicher Form.

8. Kann ich nach einer Rekonstruktion der Brust noch stillen?

Sofern es sich um keine onkologische Operation mit Brustdrüsenentfernung im Vorfeld handelt, kann nach einer Brustrekonstruktion oder zum Beispiel Drüsenrückgang infolge von Schwangerschaften oder auch nach erheblicher Gewichtsabnahme, gestillt werden, sofern eine Stillfähigkeit primär gegeben war/ist.

9. Kann ich nach einer Brustrekonstruktion erneut an Brustkrebs erkranken?

Ja, auch nach einer für den Chirurgen vollständig erfolgten Brustdrüsenentfernung mit  erfolgreicher Rekonstruktion ist es möglich, wieder zu erkranken. In jedem Fall sollte dies die Ausnahme sein. Es ist aber erwiesen, dass auch nach Amputation wenige Zellen von Brustdrüsengewebe im Bereich der Brustwand oder auch Tumorzellen in umgebenden Lymphbahnen verbleiben können. Dies ist der wesentliche Grund, warum Chemo-und Strahlentherapie, die Tumorzellen beseitigen können, so ein wichtiger Bestandteil der Behandlung des Brustkrebs sind.

An zertifizierten Brustkrebszentren beträgt die Rate einer Wiedererkrankung an gleicher Stelle bzw. in der gleichen Brust, max. 2-5% in den ersten 10 Jahren nach Ersterkrankung und Behandlung. Brustkrebs sollte deshalb nur an den zertifizierten Zentren behandelt werden, da hier die notwendige Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen und die erforderlichen Spezialisierungen vorhanden sind.

10. Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Rekonstruktion der Brust?

Ja, die Brustrekonstruktion im Falle von Krebserkrankungen wird (außer für die Eigenfetttransplantation) immer übernommen. Die Wiederherstellung einer normalen Brustform- und fülle zum Beispiel nach erheblicher Gewichtsabnahme oder nach Schwangerschaften wird nur in Einzelfällen übernommen. Gleiches gilt für die operative Korrektur von angeborenen Brustfehlbildungen.

 

Dr. med. Roland Mett, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Dr. Roland Mett

Dr. Roland Mett studierte an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock Humanmedizin und war anschließend als Assistenzarzt im Pathologischen Institut Schwerin am Klinikum Schwerin tätig. Es folgte die Weiterbildung als Assistenzarzt in der Klinik für Chirurgie am Klinikum Schwerin sowie der Erhalt des Facharzttitels für Chirurgie im Jahr 1991. Von 2005 bis 2009 war Dr. Mett leitender Arzt der Abteilung Mamma – und ästhetische Chirurgie der HELIOS Kliniken Schwerin. Im Januar 2009 erhielt er den Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und ist seit September 2009 Chefarzt der Klinik für Plastische-Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der HELIOS Kliniken Schwerin.

Im Jahr 2012 erhielt Dr. Mett die Zertifizierung als Senioroperateur am Schweriner Brustzentrum. Zusätzlich ist er seit 2015 Kooperationspartner der Organzentren am onkologischen Zentrum der HELIOS Kliniken Schwerin. Seit Dezember 2018 ist die Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der HELIOS Kliniken Schwerin ein zertifiziertes „Rekonstruktives Brustzentrum“. Dieses steht ebenfalls unter der Leitung von Dr. Mett und ist das einzige in Mecklenburg-Vorpommern.