Das kleine 1x1 der richtigen Wundversorgung - MOOCI
Das kleine 1×1 der richtigen Wundversorgung

Bei kleinen Verletzungen reicht es meist aus, diese zu reinigen, zu desinfizieren und mit einem Pflaster abzudecken. Doch wie sieht es bei größeren Wunden aus, welche mehr Zeit zur Heilung benötigen? Diese brauchen in der Regel eine besondere Behandlung. Wir haben uns näher damit auseinandergesetzt, wie welche Wunde am besten versorgt werden sollte und wann Du auf jeden Fall einen Spezialisten aufsuchen solltest. Zudem darfst Du Dich auf einen Expertentipp von Frau Martina Bettschar, DGKP, WDM, freuen, welche im Bereich Wunddiagnostik und Wundmanagement arbeitet.

Zuerst einmal: Was ist eigentlich unter Wundmanagement zu verstehen?

Ganz grob zusammengefasst kann man sagen, dass darunter der Behandlungsplan zur Versorgung einer Wunde fällt. Je nachdem um was für eine Wunde es sich handelt, kommt ein unterschiedlicher Plan zum Einsatz. Das bedeutet also, dass sich Dein Arzt oder Wundmanager die Wunde ganz genau anschaut und dann einen individuell an Dich angepassten Behandlungsplan zusammenstellt. Es ist ebenfalls nicht selten, dass ein interdisziplinärer Behandlungsplan Einsatz findet. Vor allem bei chronischen Wunden ist eine interprofessionelle Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Ziel ist nicht nur eine schnelle Heilung der Wunde, sondern vor allem auch die Verhinderung einer Infektion. Auf welche Arten sich eine Wunde versorgen lässt, erfährst Du im nachfolgenden Text.

Wie soll eine Wunde am besten versorgt werden?

Ist die Verletzung nicht allzu groß, dann kannst Du diese meist selbst behandeln. Als Erstes ist es wichtig, die Wunde zu reinigen, damit Dreck und Bakterien ausgespült werden und sie sich nicht infizieren kann. Der Körper übernimmt hier schon einen großen Teil, denn durch das Bluten spült er automatisch unerwünschte Fremdkörper aus. Jedoch solltest Du die Wunde trotzdem noch zusätzlich reinigen. Vor allem Kochsalzlösungen eignen sich hervorragend, da sie den Reinigungsmechanismus Deines Körpers weiter anregen. Anschließend muss die Wunde desinfiziert werden. Hierfür gibt es spezielle Sprays. Bei kleinen Wunden reicht es vollkommen aus, diese nur ein- bis zweimal zu desinfizieren und dann einen Verband anzulegen, denn eine zu häufige Desinfektion wirkt sich auf die Wundheilung negativ aus.

Je nach Wunde wird nun unterschiedlich vorgegangen. Bei kleinen, glatten Schnittwunden reicht meist ein einfacher Wundverschluss mit Wundpflaster aus oder spezielle Nähte und/ oder Klammern verschließen die Wunde. Anschließend kann ein Pflaster oder ein lockerer Verband über die Wunde gegeben werden. Sollte es sich um eine große Verletzung handeln, ziehe Deinen Arzt zur Rate.

Bei komplexeren Wunden werden unterschiedliche Wundverbänden verwendet. Man unterscheidet je nach Art der Wunde, welcher Verband der richtige ist. Es gibt einmal die trockene und die feuchte Wundversorgung. Die Unterschiede erklären wir Dir weiter unten genauer.

Trockene Wundbehandlung

Die trockene Wundbehandlung wird auch als die klassische Wundbehandlung bezeichnet. Bis in die 1960er, war die trockene Methode die bevorzugte Variante, da die Medizin davon ausging, dass auf diese Weise die Haut schneller heilt. Dabei bleibt die Wunde entweder komplett unbedeckt, sodass diese an der Luft trocknen und heilen kann oder sie wird mit einem lockeren Verband oder Pflaster abgedeckt. Dadurch entsteht eine Kruste, welche aus geronnenem Blut besteht. Dies bringt vor allem zwei Nachteile mit sich. Zum einen kann sich durch das trockene Milieu die Wundheilung verzögern, zum anderen erhöht sich durch die Krustenbildung das Risiko einer Narbenbildung. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich die Wunde schneller infizieren kann.

Diese Form der Wundheilung kommt heute fast nur noch bei primären Wunden zum Einsatz, also bei Wunden, welche schnell und unkompliziert wieder von alleine abheilen und sich einfach durch eine Naht oder ein Pflaster komplett schließen lassen. Sekundäre Wunden hingegen sind komplexe Wunden, die Aufgrund einer Zerreißung der Wundränder oft nicht komplett verschlossen werden können und daher besondere, zum Teil auch feuchte Wundverbände benötigen.

Feuchte Wundbehandlung

Diese Form hat die trockene Wundversorgung mittlerweile abgelöst. Sie kommt nicht nur am besten bei Schürfwunden, sondern auch bei großen Wunden zum Einsatz, welche ihre Zeit brauchen, bis sie verheilt sind. Chronische Wunden profitieren ebenfalls von dieser Methode. Unter einer chronischen Wunde versteht die Medizin eine Wunde, welche trotz Behandlung auch nach etwa zwei Monaten nicht abgeheilt und noch offen ist, oder nach mehr als drei Monaten nicht spontan abgeheilt ist.

Durch das feuchte Klima, welches der Arzt oder Wundmanager bei der Behandlung schafft, besteht ein optimales Milieu für die Wundheilung, da Immunzellen und wichtige Nährstoffe viel besser in die Wunde gelangen und sie gut versorgen können. Um dieses spezielle Klima herzustellen, nutzen Spezialisten beispielsweise interaktive Wundauflagen. Diese bestehen aus besonderen Materialien, welche die Wunde konstant feucht halten und nicht mit der offenen Haut verklebt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wundauflage die Zerfallsprodukte der Bakterien aufnimmt und fest einschließt, sodass sich keine weiteren Infektionen bilden können.

Zusätzlich dazu können noch weitere Maßnahmen in Anspruch genommen werden, damit sich die Wunde nach und nach schließt. So ist beispielsweise die Vakuumversiegelungstherapie bei der Heilung hilfreich. Dabei wird auf die Wunde ein Unterdruck ausgeübt, wodurch sich die Durchblutung des Gewebes verbessert, Sekrete abtransportiert werden und die Wunde in Ihrer Granulation gefördert wird.

Martina Bettschar, DGKP, WDM

Langwierige, schlecht heilende Wunden können eine enorme Belastung für Betroffene und Ihre Mitmenschen darstellen. Nicht nur die aufwendigen Verbandswechsel, die damit verbundenen Schmerzen, die hohen Kosten, üble Gerüche, Flecken an der Kleidung von „saftelnden“ Wunden, etc. beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen enorm. Vielen ist auch unklar, wo sie mit ihrem Problem „Wunde“ hingehen sollen. Wer ist dafür zuständig? Ist es der Hausarzt? Oder doch ein Facharzt der Dermatologie? Patienten erzählen mir immer wieder, dass sie von Ärzten und Pflegepersonen betreut wurden die ihnen das Gefühl vermittelten, nicht genau zu wissen, wie sie die Wunde verbinden sollen. Und das ist auch nicht so einfach. Es gibt mittlerweile ein breitgefächertes Angebot an Wundauflagen die oft sehr ähnlich aussehen, aber komplett unterschiedliche Indikationen haben. Kenntnisse über die Entstehung und Arten von Wunden, Wundheilungsphasen und Prinzipien der modernen Wundversorgung sind die Grundlagen einer erfolgreichen Behandlung. Daher sollten Patienten bei der Suche nach dem richtigen Behandler darauf achten, ob auch eine entsprechende Spezialisierung vorhanden ist.

Sehr oft wird auch nur das „Symptom Wunde“ behandelt und möglichen Ursachen keinerlei Beachtung geschenkt. Was dazu führt, dass viele Wundpatienten monatelang oder gar jahrelang erfolglos behandelt werden. Dabei ist die richtige Behandlung oft sehr einfach, wenn die Ursache erkannt und mitbehandelt wird. Beispielsweise können Diabetes Mellitus, venöse und/oder arterielle Erkrankungen, verschiedene Keime und Bakterien, Fehlstellungen, sowie Druck und Reibung mögliche Ursachen sein, warum eine Wunde nicht abheilen will. Eine zusätzliche Therapie fernab der Wunde kann hier den entscheidenden Erfolg bringen.  Daher ist für mich eine interdisziplinäre Diagnostik, das Bekämpfen bzw. Eindämmen der Ursachen sowie die phasengerechte Wundversorgung der Schlüssel zum Erfolg.

Das richtige Vorgehen bei Brandwunden

Bei Brandwunden ist es hingegen wichtig, die betroffene Stelle zu kühlen. Dies machst Du am besten mit Wasser. Achtung: Das Wasser sollte nicht zu kalt sein! Bei einer kleineren Verbrennung kannst Du die Stelle hinterher vorsichtig trocken tupfen und anschließend ein spezielles Brandblasenpflaster raufgeben.

Wichtig: Die Brandblasen nicht aufstechen, da ansonsten Dreck und Bakterien in die Wunde gelangen können. Wenn eine Behandlung der Blasen erfolgt, müssen diese komplett abgetragen werden- das macht Dein Arzt für Dich.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Bei kleineren Wunden ist ein Besuch beim Arzt häufig nicht notwendig. Anders sieht es großen und tiefen Wunden aus. Vor allem bei großflächigen Brandverletzungen oder Stichwunden solltest Du auf jeden Fall einen Spezialisten aufsuchen, da an der Oberfläche oft nicht das ganze Ausmaß der Verletzung erkannt werden kann. Ebenso verhält es sich mit Bisswunden, denn oftmals lässt sich auch hier das wahre Ausmaß nicht auf den ersten Blick deuten. Sollten Wunden lange bestehen, entzündet sein, Wundheilungsstörungen auftreten, die Wundränder verletzt sein oder Du hast einfach kein gutes Gefühl, dann ist es im Zweifelsfall immer besser, einen Spezialisten aufzusuchen!

Weitere interessante Informationen rund um die richtige Wundversorgung findest Du hier!