Haemo: Intravenöser Laser bei Wundheilungsstörungen
Der Laser, der nicht nur unter die Haut geht: Wie ein intravenöser Laser bei Wundheilungsstörungen helfen kann

Man kann oft gar nicht genug aufpassen und schon hat man sich eine Verletzung zugefügt. Die häufigsten Unfälle passieren sogar in den eigenen vier Wänden! Eine rasche und vor allem richtige Wundversorgung ist sehr wichtig, um Wundheilungsstörungen zu verhindern und die Narbenbildung so gut wie möglich zu minimieren. Besonders nach operativen Eingriffen lassen sich Narben allerdings nicht vermeiden. Aber was kann man tun, wenn die Wunde doch nicht schön verheilt? Wir zeigen Dir, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und haben die Wundmanagerin Martina Bettschar, DGKP, WDM über den intravenösen Laser – den Haemo Laser – befragt.

Welche Arten von Wundversorgung gibt es?

Damit es erst einmal gar nicht zu Wundheilungsstörungen kommt, ist das richtige Wundmanagement sehr wichtig. Das bedeutet je nach Art der Wunde kommt ein passender Behandlungsplan zum Einsatz. Worauf Du dabei besonders achten solltest, haben wir Dir in unserem 1×1 des Wundmanagements genauer beschrieben.

Prinzipiell unterscheidet die Medizin zwischen zwei verschiedenen Therapien: der trockenen und der feuchten Wundbehandlung. Die trockene Wundbehandlung ist die klassische Behandlung mit Pflaster und Verband, bei der die Wunde austrocknet. Mittlerweile hat sich aber gezeigt, dass eine feuchte Wundbehandlung viel effektiver sein kann. Dabei lässt der Arzt die Wunde also nicht austrocknen, sondern versorgt sie mit speziellen Materialien, die die Wunde stetig feucht halten und damit die Wundheilung verbessern kann.

Woran erkenne ich eine Wundheilungsstörung?

In manchen Fällen lässt es sich aber leider nicht vermeiden und es kommt dennoch zu Wundheilungsstörungen. Diese erkennst Du beispielsweise an einer wulstartigen Narbenbildung – sogenannten hypertrophe Narben – oder auch an Entzündungen, einer schlechten Verheilung oder sogar einem Absterben des Wundrandes. Mehr Infos zu Wundheilungsstörungen findest Du hier in unserem Blog.

In solchen Fällen bieten sich verschiedene operative und auch nicht-operative Arten zur Behandlung an:

 

Detaillierte Infos zu den einzelnen Behandlungsarten findest Du hier.

Der intravenöse Haemo Laser gegen Wundheilungsstörungen

Besonders Lasertherapien zur Behandlung von Narben erfreuen sich mittlerweile an immer größerer Beliebtheit und das aus gutem Grund. Es ist eine schmerzfreie, unkomplizierte und sehr effektive Methode ohne große Nebenwirkungen. Ein Laserstrahl besteht aus stark gebündeltem Licht, das an der zu behandelnden Stelle eingesetzt wird. Neben den bekannten Laserbehandlungen, bei denen der Laser an der zu behandelnden Stelle direkt angesetzt wird, gibt es auch die Haemo Laser Therapie (HLT), bei der die Laserstrahlen direkt in Deine Blutbahn geleitet werden. Obwohl diese Lasertherapie relativ unbekannt ist, sind die Anwendungsmöglichkeiten erstaunlich hoch. So kann dieser Laser – um nur einige zu nennen – nicht nur bei chronischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, Allergien, Diabetes, Lungenerkrankungen oder Nierenerkrankungen, sondern auch unterstützend bei der Wundheilung eingesetzt werden.

 

Martina Bettschar, DGKP, WDM

Ich wende den HL nicht nur zur Unterstützung von Wundheilungsstörungen an. Immer öfter kommen Männer und Frauen zur HLT, um ihr Immunsystem zu stärken, sich gegen die Pollenallergie zu rüsten oder einfach nur, um die Sauerstoffversorgung ihres Körpers zu verbessern. Nachweislich hebt diese Lichttherapie nach einigen Anwendungen auch die Stimmung und sorgt von Anfang an für einen besseren Schlaf. Auch diese Wirkungen sind für manche meiner Patienten Anlass genug um ein bis zweimal in der Woche zur „ Lichttherapie zu kommen.

Wie erfolgt die Anwendung des Haemo Lasers?

Im Unterschied zu klassischen Lasertherapien, bei denen der Laser von außen auf der Haut angesetzt wird, erfolgt die Haemo Laser Therapie intravenös. Das bedeutet das Laserlicht wird über eine Kanüle – wie bei einer Infusion – direkt in die Vene geleitet und bestrahlt dort Dein Blut. Der Arzt setzt also direkt in Deine Ellbogenvene eine Injektionsnadel, in der sich eine dünne Glasfaser befindet und das Rotlicht des Lasers direkt in die Blutbahn leitet. Die Nadel wird natürlich nur einmalig verwendet. Nun kannst Du ungefähr eine halbe Stunde lang im Liegen entspannen, während der Laser Dein Blut nebenwirkungsfrei und relativ schmerzarm bestrahlt.

“Ich empfehle die Behandlung mindestens 1-2 mal pro Woche durchzuführen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Sobald sich die Blutwerte verbessern, können wir die Wiederholungen reduzieren. Wie viele Behandlungen wir tatsächlich benötigen hängt von der Schwere und Dauer der Erkrankung beziehungsweise von der Wunde ab, meistens sind mindestens fünf und bis zu 15 Wiederholungen notwendig”, sagt die Wundmanagerin Martina Bettschar, DGKP, WDM

Welche Wirkungen können mit dem Haemo Laser erzielt werden?

Doch wie wirkt der Haemo Laser eigentlich? Ist das nicht gefährlich?

“Die intravenöse Behandlung schreckt zwar viele ab, aber die Wirkung spricht für sich. Er beschleunigt nicht nur die Wundheilung oder lindert Schmerzen, er wirkt auch auf den Stoffwechsel und verändert nach einer definierten Behandlungsperiode unter anderem Blutfettwerte und Langzeit-Blutzuckerwerte. Auch für meine Diabetischen Füße ein optimaler Nebeneffekt.” Martina Bettschar, DGKP, WDM

Der Haemo Laser nutzt die Energie von rotem Laserlicht zur direkten Bestrahlung Deines Blutes und kann eine optimale Unterstützung zur Wundversorgung sein, da die Therapie nachweislich positive Wirkungen auf den Organismus erzielen kann. Das rote Laserlicht wirkt vor allem ATP-aktivierend. Das heißt, Deine Blutflussgeschwindigkeit erhöht sich durch die Rotlicht-Bestrahlung, dadurch verbessert sich auch die Bindungsfähigkeit von Sauerstoff, sodass die erhöhte Sauerstoffversorgung letztendlich positiv auf die Wundheilung wirken kann. Außerdem kann die Haemo Laser Therapie den Stoffwechsel anregen und somit ebenfalls zu einer schnelleren Verheilung der Wunde helfen. Zudem berichten Patienten über geringere Schmerzen und ein besseres allgemeines Wohlbefinden. Medizinisch betrachtet lässt sich durch die HLT die Verformbarkeit der roten Blutzellen verbessern, was sich auf die Verbesserung der Blutwerte von Leber, Niere, Blutzucker und Fett auswirken kann. Diese Ergebnisse wurden sogar wissenschaftlich widerlegt.

Wann kommt der Haemo Laser zum Einsatz?

Klar, eine intravenöse Laserbehandlung ist natürlich nicht jedermanns Sache. Dennoch bietet die HLT eine gute Alternative zu anderen Behandlungsmöglichkeiten von Wundheilungsstörungen, Allergien, Störungen des Immunsystems oder auch bei Sauerstoffmangel. Sind beispielsweise andere Behandlungsarten zur Wundheilungsstörung bisher erfolglos geblieben, solltest Du unbedingt die HLT ausprobieren. Natürlich kannst Du die Behandlung auch präventiv durchführen, noch bevor eine mögliche Erkrankung entsteht.

 

Weitere interessante Informationen zum Haemo-Laser und weieteren Lasertherapien findest Du hier!

 

Weiterführende Quellen

Prof.Dr.Peter Marti, Ambulatotische Applikation von kombinierter Laser-Therapie an Patienten mit Diabetes mellitus und Dyslipidämie, Institut für LLLT& Naturheilkunde, CH-3600 Thun
Dr. Wiesner-Zechmeister Maximilian, die Haemo-Laser Therapie, Grundlagen, Wirkungsweise, klinische Ergebnisse, 2011-2014

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