Die große Diskussion um Eigenfettbehandlungen - MOOCI
Die aktuelle Diskussion um Eigenfettbehandlungen in Deutschland

Behandlungen mit Eigenfett bieten zahlreiche Vorteile und werden daher in der ästhetischen Chirurgie oft und gerne eingesetzt. Dabei geht es nicht immer nur um ästhetische Behandlungen wie der Körperformung, sondern es können beispielsweise auch Gelenkskrankheiten sehr gut mittels spezieller Eigenfett-Therapien behandelt werden. Ob Eigenfettbehandlungen auch in Zukunft durchgeführt werden können, ist nach aktuellem Stand allerdings leider nicht ganz klar! Denn Deutsche Aufsichtsbehörden sind der Meinung, dass Eigenfettbehandlungen ausschließlich mit einer Zulassungserlaubnis, ähnlich wie bei der Zulassung von Arzneimitteln, angewendet werden dürfen. Für Ärzte wäre die Erlaubnis Eigenfettbehandlungen durchzuführen daher mit sehr vielen Hürden verbunden. Wir haben bei Prof. Dr. Dr. med. Lukas Prantl, PhD nachgefragt und erklären euch heute, welche Vorteile Eigenfettbehandlungen haben können und was eine Zulassung für Ärzte und Patienten bedeuten würde.

Welche Behandlungen können mit Eigenfett durchgeführt werden?

Beim Einsatz von Eigenfett in der plastischen, ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie unterscheidet man aktuell zwischen zwei verschiedenen Behandlungsmethoden:

Volumenfüller
Zum einen wird Eigenfett als Volumenfüller angewendet – sprich zur Vergrößerung der Brust oder des Pos. Grundsätzlich wurde die Brustvergrößerung mit Eigenfett entwickelt, um Krebspatientinnen den Brustaufbau ohne Silikonimplantate zu ermöglichen. Heute wird diese Behandlung nicht nur bei Krebspatientinnen angewendet, sondern auch bei Patientinnen, die sich besonders natürliche Ergebnisse wünschen. Zudem kann Eigenfett zum Ausgleich von Dellen oder Unregelmäßigkeiten (auch beispielsweise nach Unfällen), sowie auch zur Unterpolsterung in Gesichtsbereichen oder zur Verjüngung der Haut angewendet werden.

Stammzellen-Therapien
Zum anderen ist bekannt, dass Eigenfett zahlreiche Vorläuferzellen – sogenannte Stammzellen – beinhaltet. Die Stammzellen aus dem Eigenfett besitzen somit optimale Eigenschaften, um Gewebe zu erneuern, weshalb Eigenfett in der Medizin beispielsweise gerne auch zur Behandlung von Finger- und (Knie-)Gelenksarthrosen eingesetzt wird. Dabei wird in der Regel nicht das gesamte Eigenfett verwendet, sondern lediglich die angereicherten Vorläuferzellen.

Welche Vorteile hat Eigenfett?

Solltest Du Dich für eine volumenfüllende Eigenfettbehandlung entscheiden, kannst Du Dich auf besonders natürliche Ergebnisse freuen. Eigenfett ist gut formbar und fühlt sich somit sehr weich an. Außerdem wird lediglich körpereigenes Gewebe verwendet, sodass Dein Körper die neu injizierten Zellen gut aufnehmen kann. Zudem ist bekannt, dass Eigenfett ein hohes Gewebeerneuerungspotential hat – das bedeutet, die Eigenfettbehandlung zeigt nicht nur besonders langanhaltende Ergebnisse. Im Vergleich zu anderen Behandlungsarten können auch viel bessere Heilungschancen bei Gelenksarthrosen oder Wundheilungsstörungen festgestellt werden.

Wie wird Eigenfett gewonnen?

Um Eigenfett zu gewinnen, kommt es in einem ersten Schritt darauf an, für welche Behandlung das Fett benötigt wird. Besonders bei volumenfüllenden Eigenfettbehandlungen wie der Brustvergrößerung oder dem Brazilian Butt-Lift benötigt Dein Arzt eine größere Menge an Eigenfett – Du musst also an gewissen Körperstellen ausreichend Reserven haben, die Dein Arzt anschließend absaugen kann. Meistens sind es Stellen wie der Bauch, die Oberschenkel oder die Flanken, an denen der Arzt die optimale Menge an Eigenfett absaugen kann. Dazu macht er einen kleinen Schnitt an einer unauffälligen Körperstelle und fügt dann eine Tumeszenz-Lösung ein. Diese Flüssigkeit führt dazu, dass sich das überschüssige Fettgewebe löst und Dein Arzt diese mit einer Spritze oder Vakuumpumpe absaugen kann. Dazu gibt es in der Medizin verschiedene Techniken, beispielsweise die Wasserstrahl-Technik, Vibrations-Technik oder die Fettabsaugung mittels VASER® Technik.

Anschließend wird das Fett entsprechend aufbereitet und an der gewünschten Stelle wieder eingefügt. Die relativ risikofreie Operation findet meistens in Vollnarkose oder unter Dämmerschlaf statt und dauert ungefähr eineinhalb bis vier Stunden. Für die Unterspritzung im Gesicht oder an den Händen benötigt Dein Arzt viel weniger Eigenfett, daher kann er dieses auch mit örtlicher Betäubung entnehmen.

Handelt es sich um Stammzellen-Therapien, so reichert Dein Arzt aus dem gewonnenen Eigenfett Vorläuferzellen an, die er anschließend in den zu behandelnden Bereich wieder injiziert. Im Unterschied zu klassischen Eigenfett Transplantationen wird hierbei also nicht das gesamte Eigenfett wieder injiziert, sondern lediglich die angereicherten Vorläuferzellen.

Wieso steht die Eigenfettbehandlungen jetzt kurz vor dem gesetzlichen AUS?

In Deutschland besteht aktuell die Problematik, dass Aufsichtsbehörden der Meinung sind, Eingriffe mit Fettgewebe – besonders Behandlungen der Gelenke, Wunden oder Sehnen – kritisch zu betrachten sind. Es handelt sich dabei um sogenannte nicht homologe Anwendungen, das heißt Fettgewebe wird nicht in Fett gegeben.

 

Wenn es sich dabei um eine substanzielle Bearbeitung der Zellen handelt, um den biologischen Effekt zu erhöhen, kann unter Umständen ein Arzneimittel entstehen und der § 4 Abs. 9 AMG für sogenannte Arzneimittel für neuartige Therapien (advanced therapy medicinal products, ATMP) zur Anwendung kommen.

DGPRÄC – Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie

 

Eigenfettbehandlungen mit dem Ziel Vorläuferzellen aus dem Eigenfett anzureichern, sind daher laut Behörden prinzipiell nicht erlaubt. Erst mit der Zulassungserlaubnis ATMP, die die Eigenfettbehandlung ähnlich wie ein Arzneimittel einstuft, kann dies möglich sein.

Was könnte dies für Ärzte und Patienten bedeuten?

Klar ist, dass solch eine Zulassung nicht einfach zu bekommen ist und somit viele Ärzte Eigenfettbehandlungen nicht mehr praktizieren dürften.

“Das Problem für Ärzte ist, dass derartige Zulassungen in die Millionen gehen und das kann natürlich keiner stemmen!”, so Prof. Dr. Dr. med. Lukas Prantl, PhD

Zudem wissen Ärzte nach langjährigen Erfahrungen, dass die Zellenverpflanzung medizinisch sinnvoll sowie äußerst unproblematisch ist und es nur in den seltensten Fällen zu leichten Komplikationen kommen kann. Auch in der Literatur wurden bisher noch nie ernsthafte Komplikationen beschrieben, lediglich leichte Schwellungen oder Entzündungen können auftreten, die meist innerhalb weniger Tage vergehen. Eigenfettbehandlungen stellen also prinzipiell in keiner Hinsicht eine Gefahr für Patienten dar.

 

Eigenfett ist eine hervorragende Methode. Als junge Patientin würde ich immer zur Behandlung mit Eigenfett tendieren – egal ob für eine natürliche Vergrößerung der Brust oder zur Faltenunterspritzung. Es ist ein Verfahren, bei dem körpereigenes Gewebe verwendet wird. Die Zellen mit ihren Stoffen erneuern das Gewebe und führen zu langfristigen natürlichen Ergebnissen.

Prof. Dr. Dr. med. Lukas Prantl, PhD

 

Ergebnisse zeigen außerdem, dass die Behandlung mit Eigenfett bei beginnenden Gelenksarthrosen oder Wundheilungsstörungen im Vergleich zu vielen anderen Verfahren überlegen, weil körpereigene Zellen mit sehr hohem Gewebeerneuerungspotential angewendet werden.

Ob Dein Arzt Eigenfettbehandlungen also in Zukunft durchführen kann, ist momentan noch unsicher. Wichtig ist, dass die Sicherheit der Patienten und die Qualität der Behandlungen immer garantiert ist und eine Neuregelung keine gravierenden Nachteile sowohl für Arzt als auch Patient mit sich bringt. Wir halten Dich jedenfalls auf dem Laufenden und berichten, sobald es Neuigkeiten gibt!

 

Quellen

Prof. Dr. Dr. med. Lukas Prantl, PhD
DGPRÄC