Interplast-Germany Einsatz in Mumbai: Der Alltag - MOOCI
Interplast-Germany Einsatz in Mumbai: Der Alltag

Wir haben Dir vor kurzem in einem Beitrag Interplast-Germany vorgestellt und berichtet, dass ein Team sich auf den Weg nach Mumbai (Indien) gemacht hat. Mit dabei ist auch Dr. Ben Gehl, CMO bei MOOCI. Was das Team genau macht, wie ein typischer Tag bei diesem Einsatz so aussieht und wie einem kleinen Mädchen die Sehfähigkeit erhalten werden konnte, berichten wir Dir in diesem Beitrag.

Zeitpläne erstellen.

Nachdem einen Tag lang einige Dutzend Patienten beim Screening von den Ärzten untersucht wurden, hat das Team am nächsten Tag einen ganzen Vormittag lang die Operationen für die nächsten zwei Wochen geplant. Hier wurde vor allem darauf geachtet, dass die schwierigsten Fälle zuerst operiert und leichtere Operationen nach hinten verschoben werden. Dies hat den Grund, dass anspruchsvolle Rekonstruktionen am längsten von den Ärzten versorgt werden müssen. So werden zum Beispiel nach einer Rekonstruktion mit Hauttransplantation Überknüpfverbände angebracht, welche die Ärzte erst nach fünf Tagen entfernen können. Anschließend bekommen die Patienten einen klassischen Verband und nach insgesamt sieben Tagen können die Patienten guten Gewissens entlassen werden, ohne dass das Transplantat Schaden nimmt.

 

Der Tagesablauf.

Das Team steht jeden Tag um 6:30 Uhr auf und nach einem schnellen Frühstück geht es auch schon in die Klinik. Einheimische Teile des Teams schlafen zusätzlich im Krankenhaus, um die nötige Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Dort angekommen werden neue Patienten untersucht und geprüft, ob diese noch zusätzlich in den nächsten Tagen behandelt werden können. Nachdem die sterile Kleidung angezogen wurde, beginnen die Ärzte auch schon mit der Morgenvisite. Bei der Visite verwendet das Team mitgebrachtes Sterillium zum Desinfizieren der Hände, denn vor Ort wird dies nach wie vor mit Jodseife gemacht. Anschließend starten auch schon die Operationen die teilweise bis spät in die Nacht andauern.

 

 

Im Operationssaal selbst läuft alles nach alter Schule ab. Es werden wiederverwendbare Tücher genutzt, die anschließend ausgekocht und für die nächste Operation vorbereitet werden. Instrumente, Verbände, Gipsschienen und Co. wurden vom Team mitgebracht. Das kann die Ärzte auch schon mal zum Improvisieren zwingen, da gewisse Dinge zu einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr vorrätig sind. Beispielsweise wurden anstatt von Nadelhaltern zum Nähen mit Klammern oder sonstigen Instrumenten improvisiert.

Bei den Nähten achten die Ärzte vor allem darauf, dass sie selbstauflösende Fäden verwenden. Außer bei größeren Rekonstruktionen verwenden die Ärzte Fäden, die nach einigen Tagen wieder gezogen werden müssen. Selbstauflösende Fäden haben den Grund, dass die Patienten entlassen werden und nicht mehr in die Klinik kommen müssen. Via Social-Media schicken die Patienten Bilder an Sharad und können die Ärzte so über den Heilungsprozess informieren. Sharad verwaltet und organisiert diese Einsätze und gibt sein Herzblut dafür. Er ist Tag und Nacht für die Menschen erreichbar und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen zu helfen. Gemeinsam mit seinen zwei Töchtern steht er mit dem Interplast Team im engen Austausch.

Der Fokus bei allen Operationen liegt darauf, dass die Funktion des zu behandelnden Körperteils wiederhergestellt wird. Dabei müssen die Ärzte natürlich einen Kompromiss eingehen und die Ästhetik dabei in den Hintergrund rücken. Das Team arbeitet nach kriegschirurgischen Standards, weshalb High-End-Ergebnisse wie bei ästhetischen Operationen nicht das Ziel sind.

 

 

Schicksalsschläge die unter die Haut gehen.

Dr. Cord Corterier, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und medizinischer Leiter des Einsatzes in Mumbai berichtet über eine der ersten Patientinnen:

„Ein vierjähriges Mädchen ist in eine offene Feuerstelle gefallen und hat sich dabei schwere Verbrennungen im Bereich des Gesichts und der Kopfhaut zugezogen. Die Narben am Ober- und Unterlid sind so zusammengeschrumpft, dass das Mädchen das Auge nicht mehr schließen konnte. In dieser Situation trocknet das Auge langsam aus und es kommt zu Hornhautschäden. Neben starken Schmerzen, drohte das Mädchen auch zu erblinden.

In einer aufwendigen Operation entnahmen wir Haut aus dem Leistenbereich und bereiteten diese für die Rekonstruktion des Ober- und Unterlides vor. Durch die Wiederherstellung des Ober- und Unterlids konnten wir in einer langen Operation das Augenlicht des Mädchens retten und die teils starken Schmerzen lindern. Nur wenige Tage nach dem Eingriff rannte das Mädchen schon wieder fröhlich über die Gänge im Krankenhaus und konnte das Auge wieder öffnen und schließen.“

 

 

Du möchtest wissen, wie die Geschichte des Interplast-Germany Einsatzes begonnen hat? Dann schau bei unserem vorherigen Blogpost vorbei: Reise ins Ungewisse: Ein Einsatz mit Interplast-Germany