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Rezeptoren bei Brustkrebs

Nach der Diagnose Brustkrebs kommen leider viele schwierige und anstrengende Momente auf Dich zu. Du musst Dir Deiner Erkrankung erst bewusst werden, Deine Angehörigen verständigen, für diverse Untersuchungen ins Krankenhaus fahren, Gespräche mit Ärzten führen und zusätzlich wirst Du auch noch mit medizinischen Fachausdrücken überhäuft. Hier wollen wir Abhilfe schaffen und erklären Dir die Tumorbiologie und die Brustkrebsrezeptoren leicht und verständlich.

Was macht die Tumorbiologie?

Um die passende Therapie bei Brustkrebs zu finden, helfen molekularbiologische Untersuchungen den Tumor zu charakterisieren. Die Gewebeprobe dafür wird bei der Biopsie (Gewebeentnahme) oder bei der Tumorentfernung gewonnen. Die sogenannten Tumormarker (Biomarker) helfen die Bösartigkeit des Tumors und die damit verbundenen Behandlungsmethoden abzuschätzen (prognostische Marker). Weiters geben sie auch Aufschluss darüber, wie ein Tumor gezielt bekämpft werden kann und welche Therapie am wirksamsten für Dich ist (prädiktive Marker). Die Wissenschaft hat schon eine Vielzahl dieser Marker bei verschiedenen Krebsarten erforscht. Wir zeigen Dir, welche Biomarker für Brustkrebs relevant sind.

Welche Biomarker/Rezeptoren gibt es?

Hormonrezeptor-Status

Bei Brustkrebs unterscheidet man zwischen den hormonabhängigen Tumoren und hormonunabhängigen Tumoren. Bei hormonabhängigen Tumoren befinden sich Hormonrezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen. Für Deine Therapie ist es sehr wichtig den Hormonstatus zu kennen, denn Tumore, die sich in der Zellwand dieser Hormonrezeptoren befinden, reagieren verstärkt auf hormonelle Wachstumsreize. Die Hormone Östrogen und Progesteron können das Wachstum von Brustkrebszellen beeinflussen, indem sie an Bindungsstellen (Hormonrezeptoren HR) der Zelle andocken und das Wachstumssignal ins Zellinnere senden. Die Molekularbiologen untersuchen den Tumor, ob er hormonabhängig wächst und wie groß der Anteil der Zellen und die Menge der Hormonrezeptoren (HR) ist. Reagiert über ein Prozent aller Tumorzellen auf das spezielle Markierungsverfahren, so ist der Tumor hormonempfindlich. Dies wird durch die Angabe ER+ (Östrogenrezeptor positiv) und PgR+ (Progesteronrezeptor positiv) bezeichnet. Die Erkenntnis, dass der Tumor hormonabhängig wächst, bedeutet also, dass das Wachstum durch einen Hormonentzug gestoppt oder verlangsamt werden kann. So können die Ärzte bei Dir eine (Anti-) Hormontherapie beziehungsweise eine endokrine Therapie durchführen und Du kannst vielleicht sogar auf eine Chemotherapie verzichten.

HER2 Rezeptor Status

Die HER2 Rezeptoren sind Bindungsstellen für Wachstumsfaktoren, die zur Teilung der Krebszelle führen. Wenn besonders viele HER2 Rezeptoren auf der Zelloberfläche vorhanden sind, verläuft die Krebserkrankung meist aggressiv. Therapien, die sich gezielt gegen die HER2 Rezeptoren wenden, blockieren diese und hemmen somit das Zellwachstum.

Molekulare Subtypen

Brustkrebstumore (Mammakarzinome) wurden von Molekulargenetikern untersucht und in Subtypen unterteilt. Diese Typen sind mit einer unterschiedlichen Prognose verbunden und sagen vorher, wie der Tumor auf die verschiedenen Therapien anspricht. Die Wissenschaftler haben unter Verwendung des HER2-Status, des Hormonrezeptorstatus (HR) und des Proliferationsmarkers Kl-67 (gibt die Wachstumsgeschwindigkeit von Tumorzellen an) eine Klassifikation entwickelt, da die molekulargenetische Untersuchung des Tumors jeder einzelnen Patientin zu aufwendig wäre.

Triple negativer Brustkrebs

Bei etwa 15 Prozent aller Brustkrebsfälle kommt es zu einem dreifach negativen Mammakarzinom. Das Krebsgewebe weist die Kennzeichen Östrogenrezeptor negativ, Progesteronrezeptor negativ und HER2-neu negativ auf. Dieser Subtyp tritt häufiger bei jüngeren Patientinnen auf.

uPA/PAI-1 Status

Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium und ohne Lymphknotenbefall, in deren Tumorgewebe nur geringe Anteile des Eiweißes uPA (Urokinase-Typ Plasminogen Aktivator) und dessen Gegenspieler PAI-1 gefunden werden, haben ein niedrigeres Rückfallrisiko. In solch einem Fall kann Dir die Chemotherapie erspart bleiben. Der Pathologe kann diesen Test nur durchführen, wenn das Tumorgewebe frisch eingefroren ist. Besprich deshalb bereits vor der Operation mit Deinem Arzt, ob der uPA/PAI-1 Status bestimmt werden soll. Die Kosten für die Testung werden nicht von allen Krankenkassen übernommen.

Was sind Genexpressionsprofile?

Tumorzellen entstehen bei einer Genmutation und führen zu einer Unter- oder Überproduktion (Expression) bestimmter Eiweiße. Mithilfe eines Genexpressionsprofils (Gensignatur, Genprofil) aus Gewebeproben versuchen Experten, die Aktivität in den Brustkrebszellen zu ermitteln, um Informationen über das individuelle Rückfallrisiko zu ermitteln. Die Methoden der Genchip-Diagnostik sind die sogenannte Microarray-Analyse und das RT-PCR-Verfahren.

Was bedeutet HER2 positiv für mich?

Wenn Ärzte Deine Diagnose als HER2 positiv bezeichnen, dann haben Forscher auf Deinem Brustkrebsgewebe sehr hohe Mengen von HER2 nachgewiesen. Für Dich bedeutet das leider, dass Du im Vergleich zu anderen Brustkrebspatientinnen an einer aggressiveren Tumorform leidest. Forschungen zufolge sind etwa 20 bis 25 Prozent der Brustkrebspatientinnen HER2-positiv – Du bist also nicht allein mit Deinem Schicksal! Um Dir trotzdem Mut zu machen, falls Du von dieser Diagnose betroffen bist, können wir Dir sagen, dass es eine zielgerichtete und effektive Therapie gegen diese Krebszellen gibt.

Welche Art von Brustkrebs habe ich?

Nach der Diagnose Brustkrebs stellen Ärzte bei den darauffolgenden Untersuchungen nicht nur die Brustkrebsrezeptoren, sondern auch die Art des Brustkrebses fest.
T steht für die Größe und Ausdehnung des Primärtumors
N steht für die Anzahl und Lokalisation der befallenen Lymphknoten
M steht für die Fernmetastasen in anderen Organen
Anhand dieser Kriterien wird das Tumorstadium ermittelt.

Welche Behandlung bekomme ich nach der Bestimmung des Tumors?

Bei der bestmöglichen Behandlung für Dich spielen einige Faktoren eine Rolle. Wenn Dein Brustkrebsgewebe hormonabhängig ist, kannst Du mit einer Hormontherapie behandelt werden. Hat der Tumor bereits die Lymphknoten befallen beziehungsweise Metastasen (Tochtergeschwüre) gebildet, führen Ärzte oft eine Chemotherapie mit starken Medikamenten durch. In jedem Fall wird der Tumor operativ entfernt. Zuvor können Ärzte auch eine Strahlentherapie anwenden, um das Krebsgeschwür zu verkleinern. Welche Behandlungen für welches Krankheitsbild bei Brustkrebs am Geeignetsten sind, erfährt Du in unserem nächsten Blog. Bis dahin wünschen wir Dir viel Kraft.

Quellen

Krebsgesellschaft.de

Brustkrebs-Web.de

Frauenkrebshilfe